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ReichsflugscheibeReichsflugscheibe

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Künstlerische Darstellung einer Reichsflugscheibe

Eine Reichsflugscheibe ist ein fiktives untertassenförmiges Flug- und Raumfahrzeug, das in Mythen, Science-Fiction, Verschwörungstheorien und Comics auftaucht und diesen zufolge im nationalsozialistischen Deutschen Reich gebaut und getestet worden sein soll. Historisch und technisch sind keine Belege bekannt. Dennoch taucht das Thema in der pseudowissenschaftlichen Literatur als Beispiel für „Nazi-Technologie“ gelegentlich auf, auch unter zahlreichen anderen Bezeichnungen wie Rundflugzeug (RFZ), Projekt Feuerball, Düsendiskus, Haunebu, Hauneburg-Gerät, Andromeda-Gerät, Repulsine (Repulsator/Forellenturbine), Flugkreisel, Kugelwaffe oder Vergeltungswaffe 7 (V 7).

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Angebliche Konstruktion
  • 2 Erklärungsversuche
  • 3 Medienrezeption
    • 3.1 Rechtsextreme Szene
    • 3.2 Film
  • 4 Literatur
  • 5 Weblinks
  • 6 Einzelnachweise

Angebliche Konstruktion

Neben der scheibenförmigen Bauform werden diesen Luftfahrzeugen teils enorme Flugleistungen zugeschrieben, die auf einer fortschrittlichen, bis heute nicht bekannten oder auch geheimgehaltenen Technologie beruhen würden. Die Grenzen zwischen Physik, Phantasie und Fälschung sind dabei fließend.

Reichsflugscheiben werden teils auch zusammen mit neuartigen U-Booten (Unidentified Submarine Objects ) erwähnt, wobei flug- und tauchfähige Kombinationen etwa für Vorfälle im Bermudadreieck verantwortlich gemacht werden.

Als Beweis werden gerne handgezeichnete Konstruktionsskizzen oder unscharfe Schwarzweißfotos vorgelegt, die auch im Internet zirkulieren. Vollständige Beweise und Unterlagen, heißt es meist, seien vor Kriegsende vernichtet oder auch von den Alliierten mitgenommen und geheimgehalten worden.

Der Förster und Naturforscher Viktor Schauberger arbeitete, unter anderem im KZ Mauthausen, an der Entwicklung einer alternativen Antriebstechnologie namens Repulsine bzw. Forellenturbine, die in der Lage sein sollte, die Schwerkraft durch sogenanntes „freies Schweben“ zu überwinden. Ihre Funktionstüchtigkeit konnte nie nachgewiesen werden. Diese Repulsine wird häufig als Antrieb der Flugscheiben genannt.

Erklärungsversuche

Der Mythos könnte aus deutschen Experimenten mit Nurflüglern zum Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden sein. Belegt ist unter anderem die Existenz der Sack AS-6 von Arthur Sack, einem Flugzeug mit kreisrunder Tragfläche, dessen Startversuche im Februar 1944 allerdings nur zu kurzem Abheben führten. Heinrich Fleißner aus Augsburg hatte sich 1943 mit diesem Thema befasst und mehrere Reichspatente auf diese Rundflugmaschinen erhalten. 1960 wurde das US-Patent freigegeben. Die Maschinen sollen flugfähig gewesen und von den USA nachgebaut worden sein.

Eine neben rechtsesoterischen Milieutheorien verfolgbare Entstehungsgeschichte über Rundflugzeuge des Dritten Reiches veröffentlichte Andreas Epp 2002. Nach seinen Angaben sollen diese auf einer Weiterentwicklung eines Antriebskonzepts (Transversale Rotoren) basieren, das beim Doppelrotor-Hubschrauber Focke-Wulf Fw 61 erfolgreich getestet worden war. Daraus sollen Experimentalfluggeräte abgeleitet worden sein, deren Antriebsmotor und Pilotenkanzel zuletzt im Zentrum von zum Teil unterschiedlich ausgeführten Rotorscheibensystemen angeordnet waren. Der von Epp erwähnte Oberingenieur Georg Klein äußerte 1953 in einem Zeitungsinterview, er sei am 14. Februar 1945 in Prag Augenzeuge des ersten Starts einer bemannten Flugscheibe gewesen. Diese sei innerhalb von drei Minuten auf eine Flughöhe von 12.400 Metern gestiegen und habe eine Spitzengeschwindigkeit von 2200 km/h erreicht. Gegen Ende 1944 hätten in Prag drei unterschiedlich konstruierte Flugscheiben vorgelegen; diese seien kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee zerstört worden. Epp stellte zur hinreichenden Manövrierfähigkeit dieser Rundflugzeuge deren Steuerungsproblematik in den Vordergrund.

In den 1950er Jahren wurde die scheibenförmige Avro Canada VZ-9AV entworfen. 1961 wurde das Projekt eingestellt.

Medienrezeption

Die Reichsflugscheibe wurde in der Nachkriegszeit im Zusammenhang mit der angeblichen Flucht von Nationalsozialisten nach Neuschwabenland in die Antarktis genannt. Im März 1950 berichtete erstmals Der Spiegel über Nazi-Flugscheiben. Von der Boulevardpresse wird die Reichsflugscheibe selten behandelt.

In Deutschland erschien von 1994 bis etwa 1997 die Monatszeitschrift Ufo-Kurier. Ein Dachverband im deutschsprachigen Raum war die Deutsche Ufo/Ifo-Studiengesellschaft (DUIST), die wiederum mit der Hermann-Oberth-Gesellschaft verbunden war.

Rechtsextreme Szene

Teile der rechtsextremen Szene griffen das Thema auf. Dabei vermischten sich ein esoterischer und ein Nazi-Diskurs zur rechtsextremen Esoterik, einem Ideenkonglomerat, in dem der Mythos der Nazi-Flugscheiben gelegentlich auftauchte. Der ehemalige SS-Mann Wilhelm Landig (1909–1997) beispielsweise schrieb in seinen Romanen über Flugscheiben, mit denen SS-Leute in die Antarktis (Neuschwabenland) geflohen seien, um ihren Kampf gegen die Freimaurerei fortzuführen. Der deutsch-kanadische Holocaustleugner Ernst Zündel verfasste unter dem Pseudonym Christof Friedrich ebenfalls zwei Bücher über diesen Mythos. Ferner wurde der Mythos von dem rechtsextremen Verschwörungstheoretiker Axel Stoll aufgegriffen und in diversen YouTube-Videos verbreitet.

Die heute am weitesten verbreiteten Darstellungen von angeblichen deutschen Flugscheiben basieren auf Publikationen der so genannten Tempelhofgesellschaft, insbesondere auf der Anfang der 1990er Jahre von Ralf Ettl und Norbert Jürgen-Ratthofer verfassten Broschüre Das Vril-Projekt. Die österreichischen Autoren trugen maßgeblich zur Herausbildung einer rechtsextremen Ufologie bei. So verwendeten die rechtsextremen UFO-Autoren D. H. Haarmann und O. Bergmann angebliche Zeichnungen von deutschen UFOs, die in den 1980er Jahren von Ralf Ettls Abraxas Videofilm Produktionsgesellschaft mbH verbreitet worden waren. Die Zeichnungen sind augenscheinlich von den Fotos in George Adamskis UFO-Klassikern inspiriert worden und dominieren heute die grafischen Darstellungen deutscher Flugscheiben. Auch die Bezeichnungen Vril und Haunebu gehen auf die Publikationen von Ettl und Jürgen-Ratthofer zurück. Die größte Verbreitung fanden die Ideen der Tempelhofgesellschaft zuerst durch die Schriften von Jan Udo Holey.

Film

In der Retro-Science-Fiction-Filmkomödie Iron Sky (2012) werden hochentwickelte Reichsflugscheiben von Nazi-Wissenschaftlern und Soldaten für die Flucht von einer geheimen Polarstation in Neuschwabenland auf die Mondrückseite benutzt, um auf einer dort eingerichteten Basis die Eroberung der Erde vorzubereiten. Auch in der Mockbuster-Version Nazi Sky – Die Rückkehr des Bösen setzen Nazis von einer Polarstation aus Reichsflugscheiben zur Eroberung der Erde ein.

Literatur

  • Joseph Andreas Epp: Die Realität der Flugscheiben. Michaels-Verlag, Peiting 2002, ISBN 3-89539-605-2.
  • Joachim Riedl: Wiege der Nazi-Ufos. In: Die Zeit, Nr. 14/2012

Weblinks

Bild anzeigen Wiktionary: Reichsflugscheibe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Christian Rabl: Das KZ-Außenlager St. Aegyd am Neuwalde. Mauthausenstudien, Band 6, Bundesministerium für Inneres, Abt. IV/7, 2008
  2. US 2939648 A
  3. J. Andreas Epp: Die Realität der Flugscheiben. Peiting 2002, ISBN 978-3-89539-605-2.
  4. Erste »Flugscheibe« flog 1945 in Prag. In: Welt am Sonntag, 26. April 1953; Interviewer: Werner Keller.
  5. J. Andreas Epp: Die Realität der Flugscheiben. Peiting 2002, ISBN 978-3-89539-605-2, S. 16.
  6. History: Als Hitlers Hakenkreuzfahne am Südpol wehte. In: Die Welt, 6. Dezember 2008.
  7. Sie fliegen aber doch. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1950 (online).
  8. Stefan Meining: Rechte Esoterik in Deutschland. Ideenkonstrukte, Schnittstellen und Gefahrenpotentiale. (PDF; 2,2 MB) Vortrag, gehalten am 3. September 2002 auf dem Symposium „Politischer Extremismus als Bedrohung der Freiheit – Rechtsextremismus und Islamismus in Deutschland und Thüringen“, S. 45 ff., abgerufen am 20. November 2012.
  9. Pressebericht Der Spiegel Online
  10. Julian Strube: Die Erfindung des esoterischen Nationalsozialismus im Zeichen der Schwarzen Sonne. In: Zeitschrift für Religionswissenschaft, 20(2), 2012, S. 223–268.

 


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