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ReichsflugscheibeReichsflugscheibe

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Künstlerische Darstellung einer Reichsflugscheibe

Eine Reichsflugscheibe ist ein fiktives untertassenförmiges Flug- und Raumfahrzeug, das in Mythen, Science-Fiction, Verschwörungstheorien und Comics auftaucht und diesen zufolge im nationalsozialistischen Deutschen Reich gebaut und getestet worden sein soll. Historisch und technisch sind keine Belege bekannt. Dennoch taucht das Thema in der pseudowissenschaftlichen Literatur als Beispiel für „Nazi-Technologie“ gelegentlich auf, auch unter zahlreichen anderen Bezeichnungen wie Rundflugzeug (RFZ), Projekt Feuerball, Düsendiskus, Haunebu, Hauneburg-Gerät, Andromeda-Gerät, Repulsine (Repulsator/Forellenturbine), Flugkreisel, Kugelwaffe oder Vergeltungswaffe 7 (V 7).

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Ursprung
  • 2 Angebliche Konstruktion
  • 3 Erklärungsversuche
  • 4 Medienrezeption
    • 4.1 Rechtsextreme Szene
    • 4.2 Ufologische Verschwörungstheorien
    • 4.3 Filme
  • 5 Literatur
  • 6 Weblinks
  • 7 Einzelnachweise

Ursprung

Die Legende von scheibenförmigen Fluggeräten, an deren Entwicklung im Dritten Reich gearbeitet worden sei, kam 1950 im Kontext der sich seit drei Jahren häufenden Berichte über UFOs auf. Der deutsche Ingenieur Rudolf Schriever erzählte dem Spiegel, er selbst habe von 1942 bis 1945 an der Konzeption eines solchen Flugkreisels gearbeitet. Wegen des Kriegsendes habe er diese Arbeit jedoch abbrechen müssen, und später seien die Unterlagen gestohlen worden. Im selben Jahr gab der italienische Ingenieur Giuseppe Belluzzo an, unter Benito Mussolini an einer solchen Konstruktion gearbeitet zu haben. Auch seine Entwürfe seien jedoch verlorengegangen. Mussolini habe mit Adolf Hitler seit 1942 Versuche mit Fliegenden Untertassen durchführen lassen.[1]

Angebliche Konstruktion

Neben der scheibenförmigen Bauform werden diesen Luftfahrzeugen teils enorme Flugleistungen zugeschrieben, die auf einer fortschrittlichen, bis heute nicht bekannten oder auch geheimgehaltenen Technologie beruhen würden. Die Grenzen zwischen Physik, Phantasie und Fälschung sind dabei fließend.

Reichsflugscheiben werden teils auch zusammen mit neuartigen U-Booten (Unidentified Submarine Objects ) erwähnt, wobei flug- und tauchfähige Kombinationen etwa für Vorfälle im Bermudadreieck verantwortlich gemacht werden.

Als Beweis werden gerne handgezeichnete Konstruktionsskizzen oder unscharfe Schwarzweißfotos vorgelegt, die auch im Internet zirkulieren. Vollständige Beweise und Unterlagen, heißt es meist, seien vor Kriegsende vernichtet oder auch von den Alliierten mitgenommen und geheimgehalten worden.

Der Förster und Naturforscher Viktor Schauberger arbeitete, unter anderem im KZ Mauthausen, an der Entwicklung einer alternativen Antriebstechnik namens Repulsine bzw. Forellenturbine, die in der Lage sein sollte, die Schwerkraft durch sogenanntes „freies Schweben“ zu überwinden. Ihre Funktionstüchtigkeit konnte nie nachgewiesen werden.[2] Diese Repulsine wird häufig als Antrieb der Flugscheiben genannt.

Erklärungsversuche

Der Mythos könnte aus deutschen Experimenten mit Nurflüglern zum Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden sein. Belegt ist unter anderem die Existenz der Sack AS-6 von Arthur Sack, einem Flugzeug mit kreisrunder Tragfläche, dessen Startversuche im Februar 1944 allerdings nur zu kurzem Abheben führten. Heinrich Fleißner aus Augsburg hatte sich 1943 mit diesem Thema befasst und mehrere Reichspatente auf diese Rundflugmaschinen erhalten. 1960 wurde das US-Patent[3] freigegeben. Die Maschinen sollen flugfähig gewesen und von den USA nachgebaut worden sein.

Neben den Theorien aus rechtsesoterischem Milieu existiert eine Veröffentlichung von 2002 über Rundflugzeuge des Dritten Reiches von Andreas Epp (1914–1997).[4] Nach seinen Angaben sollen diese auf einer Weiterentwicklung eines Antriebskonzepts (Transversale Rotoren) basieren, das beim Doppelrotor-Hubschrauber Focke-Wulf Fw 61 erfolgreich getestet worden war. Daraus sollen Experimentalfluggeräte abgeleitet worden sein, deren Antriebsmotor und Pilotenkanzel zuletzt im Zentrum von zum Teil unterschiedlich ausgeführten Rotorscheibensystemen angeordnet waren. Der von Epp erwähnte Oberingenieur Georg Klein äußerte 1953 in einem Zeitungsinterview, er sei am 14. Februar 1945 in Prag Augenzeuge des ersten Starts einer bemannten Flugscheibe gewesen. Diese sei innerhalb von drei Minuten auf eine Flughöhe von 12.400 Metern gestiegen und habe eine Spitzengeschwindigkeit von 2200 km/h erreicht. Gegen Ende 1944 hätten in Prag drei unterschiedlich konstruierte Flugscheiben vorgelegen; diese seien kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee zerstört worden.[5] Epp stellte zur hinreichenden Manövrierfähigkeit dieser Rundflugzeuge deren Steuerungsproblematik in den Vordergrund.[6]

In den 1950er Jahren wurde die scheibenförmige Avro Canada VZ-9AV entworfen. 1961 wurde das Projekt eingestellt.

Medienrezeption

Rechtsextreme Szene

Als Schöpfer eines Mythos von „Nazi-Flugscheiben im antarktischen Eis“ gelten vor allem drei Autoren. Der ehemalige SS-Mann Wilhelm Landig (1909–1997) schrieb ab 1971 in seinen Romanen über Flugscheiben, mit denen SS-Leute in die Antarktis (Neuschwabenland) geflohen seien, um ihren Kampf gegen die Freimaurerei fortzuführen. Der deutsch-kanadische Holocaustleugner Ernst Zündel verfasste unter dem Pseudonym Christof Friedrich zwei Bücher zu diesen Mythos, und Miguel Serrano, ein chilenischer Diplomat, griff ebenfalls den Mythos von Flugscheiben in der Antarktis auf.[7] Ferner wurde der Mythos von dem rechtsextremen Verschwörungstheoretiker Axel Stoll aufgegriffen und in diversen YouTube-Videos verbreitet.[8]

Die heute am weitesten verbreiteten Darstellungen von angeblichen deutschen Flugscheiben basieren auf Publikationen der so genannten Tempelhofgesellschaft, insbesondere auf der Anfang der 1990er Jahre von Ralf Ettl und Norbert Jürgen-Ratthofer verfassten Broschüre Das Vril-Projekt.[9] Die österreichischen Autoren trugen maßgeblich zur Herausbildung einer rechtsextremen Ufologie bei. So verwendeten die rechtsextremen UFO-Autoren D. H. Haarmann und O. Bergmann angebliche Zeichnungen von deutschen UFOs, die in den 1980er Jahren von Ralf Ettls Abraxas Videofilm Produktionsgesellschaft mbH verbreitet worden waren. Die Zeichnungen sind augenscheinlich von den Fotos in George Adamskis UFO-Klassikern inspiriert worden und dominieren heute die grafischen Darstellungen deutscher Flugscheiben. Auch die Bezeichnungen Vril und Haunebu gehen auf die Publikationen von Ettl und Jürgen-Ratthofer zurück. Die größte Verbreitung fanden die Ideen der Tempelhofgesellschaft zuerst durch die Schriften von Jan Udo Holey.

Ufologische Verschwörungstheorien

Amerikanische Ufologen und Verschwörungstheoretiker griffen um die Jahrtausendwende den Mythos von den Nazi-Ufos auf und deuteten ihn in ihrem Sinne um. Danach bestehe eine weitaus größere Verschwörung zwischen „deutsch-bayerischen Faschisten“ und Außerirdischen, die gemeinsam eine Neue Weltordnung errichten wollten, in der eine „arische“ Elite den Planeten regieren werde. Zu diesem Zwecke sei die Ausrottung von einem Viertel der Weltbevölkerung geplant, namentlich von Juden, Afrikanern und anderen Nichtariern. Diese Verschwörungstheorie wird von einigen evangelikalen Christen in ihr dispensationalistisches Endzeitszenario integriert: Danach sind die angeblich bevorstehenden außerirdischen Angriffe auf Juden Teil der Großen Trübsal, die nach dem Matthäusevangelium der Wiederkunft Jesu Christi vorangehe.[10]

Filme

In der Retro-Science-Fiction-Filmkomödie Iron Sky (2012) werden hochentwickelte Reichsflugscheiben von Nazi-Wissenschaftlern und Soldaten für die Flucht von einer geheimen Polarstation in Neuschwabenland auf die Mondrückseite benutzt, um auf einer dort eingerichteten Basis die Eroberung der Erde vorzubereiten. Auch in der Mockbuster-Version Nazi Sky – Die Rückkehr des Bösen setzen Nazis von einer Polarstation aus Reichsflugscheiben zur Eroberung der Erde ein.

Literatur

  • Joseph Andreas Epp: Die Realität der Flugscheiben. Michaels-Verlag, Peiting 2002, ISBN 3-89539-605-2.
  • Joachim Riedl: Wiege der Nazi-Ufos. In: Die Zeit, Nr. 14/2012

Weblinks

Bild anzeigen Wiktionary: Reichsflugscheibe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Sie fliegen aber doch. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1950 (online).
  2. Christian Rabl: Das KZ-Außenlager St. Aegyd am Neuwalde. Mauthausenstudien, Band 6, Bundesministerium für Inneres, Abt. IV/7, 2008
  3. Patent US2939648: Rotating jet aircraft with lifting disc wing and centrifuging tanks. Veröffentlicht am 7. Juni 1960, Erfinder: Heinrich Fleissner.
  4. J. Andreas Epp: Die Realität der Flugscheiben. Peiting 2002, ISBN 978-3-89539-605-2.
  5. Erste »Flugscheibe« flog 1945 in Prag. In: Welt am Sonntag, 26. April 1953; Interviewer: Werner Keller.
  6. J. Andreas Epp: Die Realität der Flugscheiben. Peiting 2002, ISBN 978-3-89539-605-2, S. 16.
  7. Das Science Fiction Jahr 2009 Dierk Spreen: Reichsflugscheiben und Wehrmachtsmythen. S. 435. (abgerufen am 27. November 2017)
  8. Christoph Seidler: Preis für Gaga-Forschung. Wer ist der Doofste im ganzen Land? In: Spiegel Online. 31. Oktober 2015; abgerufen am 21. September 2017.
  9. Julian Strube: Die Erfindung des esoterischen Nationalsozialismus im Zeichen der Schwarzen Sonne. In: Zeitschrift für Religionswissenschaft. Band 20, Nr. 2, 2012, S. 223–268.
  10. Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, S. 142 f.

 


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