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Die Sudetenkrise oder sudetendeutsche Krise war eine Auseinandersetzung zwischen der Tschechoslowakei und dem Deutschen Reich einerseits und zwischen der ČSR-Regierung und den Regierungen Frankreichs und Englands andererseits um das Sudetenland, die im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs offen zutage trat. Die Krise vom Spätsommer 1938 führte zum Münchener Abkommen (Eingliederung des Sudetengebiets) und im Ergebnis zu der Abspaltung der Slowakei, folglich zur Teilung der Tschecho-Slowakischen Republik (Č-SR) sowie zur anschließenden widerstandslosen Besetzung des tschechischen Teils durch das nationalsozialistische Deutschland.

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Sprachenverteilung in der Tschechoslowakei um 1930

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Vorgeschichte
  • 2 Ablauf
    • 2.1 Der Fall Grün
    • 2.2 Weitere Entwicklung
    • 2.3 Hitlers Rede auf dem Reichsparteitag
    • 2.4 Erstes Treffen Chamberlains mit Hitler
    • 2.5 Zweites Treffen Chamberlains mit Hitler
    • 2.6 Hitlers Rede im Sportpalast
    • 2.7 Die Münchner Konferenz
  • 3 Folgen
    • 3.1 Folgen für die internationale Politik
    • 3.2 Folgen für die Tschechoslowakei
    • 3.3 Folgen im Deutschen Reich
  • 4 Siehe auch
  • 5 Quellensammlungen
  • 6 Literatur
  • 7 Weblinks
  • 8 Einzelnachweise

Vorgeschichte

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Hauptartikel: Deutsche in der Ersten Tschechoslowakischen Republik

Die Böhmischen Länder gehörten als Königreich Böhmen, Herzogtum Schlesien und Markgrafschaft Mähren bis 1918 zur Habsburgermonarchie. Für die überwiegend von Deutschen bewohnten Grenzgebiete war der zusammenfassende Begriff Sudetenland geläufig, abgeleitet vom Gebirgszug der Sudeten. Nach der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg wurde die Tschechoslowakei als unabhängiger Staat am 28. Oktober 1918 proklamiert. Im November 1918 besetzten tschechoslowakische Truppen die ihnen zugewiesenen Gebiete, darunter auch die von Deutschen besiedelten.

Die Behandlung der Sudetendeutschen, mit 3,3 Millionen Menschen die größte der Minderheiten im neu geschaffenen Vielvölkerstaat der tschechoslowakischen Republik, war umstritten. Staatspräsident Masaryk und die tschechischen Regierungsparteien vertraten die Konzeption eines „Nationalstaats“. 1920 wurde eine entsprechende, zentralistische Verfassung verabschiedet, an deren Ausarbeitung deutsche Parteien nicht beteiligt wurden. Die tschechoslowakische Staatssprache sollte Vorrang haben, die bundesstaatliche Form wurde abgelehnt. Alle nationalen Minderheiten besaßen zwar gemäß der Verfassung eine staatsbürgerliche Gleichberechtigung, aber die Sudetendeutschen sahen sich trotzdem durch die Politik der Regierung, die in der nach Volksangehörigkeit strukturierten Parteienlandschaft immer nur tschechischen Parteien zufiel, als Volksgruppe gegenüber dem Tschechentum benachteiligt.

1933 wurde die Sudetendeutsche Heimatfront (SHF) gegründet, in Reaktion auf das Verbot der Deutschen Nationalpartei und der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei durch tschechische Behörden. Damit waren zwei der fünf deutschen Parteien verboten worden, die in der Nationalversammlung der Tschechoslowakei vertreten waren. Die Sudetendeutschen sahen sich nun nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch benachteiligt. Konrad Henlein, der Führer des deutschen Turnverbands, wurde Vorsitzender der Sudetendeutschen Heimatfront, die sich auf Anordnung Prags in Sudetendeutsche Partei (SdP) umbenennen musste. Sie verstand sich zunächst als Interessenvertretung und Sammlungsbewegung, mehrere konservativ-nationale Richtungen waren in ihr vertreten. Bei den Wahlen im Mai 1935 erhielt sie mehr als 62 Prozent der deutschen Stimmen. Unter dem Druck des tschechischen Staates geriet sie jedoch völlig unter den Einfluss des Deutschen Reiches. Ab 1937 bekannte sie sich offen zum Nationalsozialismus.

Die vorerst internen Spannungen gerieten immer mehr in den Sog der Macht- und Expansionspolitik des nationalsozialistischen Deutschen Reichs und gefährdeten insofern die Macht- und Sicherheitsinteressen insbesondere der Großmächte Frankreich und Großbritannien. Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurde die Sudetenfrage zum Brennpunkt der europäischen Politik. Die Eingliederung Österreichs löste große Demonstrationen unter der Parole „Heim ins Reich!“ aus und Adolf Hitler ordnete am 17. September 1938 die Bildung des Sudetendeutschen Freikorps unter der Führung des Parteichefs der SdP, Henlein, an.

Ablauf

Der Fall Grün

Auf einer durch die Hoßbach-Niederschrift überlieferten Konferenz mit den Spitzen der Wehrmacht und des Außenministeriums deutete der deutsche Führer und Reichskanzler Adolf Hitler am 5. November 1937 an, die Tschechoslowakei als Verbündeten Frankreichs und Flankenbedrohung bei günstiger Gelegenheit ausschalten zu wollen. Im Dezember 1937 ergingen mehrere Weisungen Hitlers an die Wehrmacht, damit zu beginnen, die Eroberung der Tschechoslowakei planerisch vorzubereiten. Diese Weisungen sind mit dem Decknamen „Fall Grün“ versehen.

Am 19. November 1937 richtete der Führer der Sudetendeutschen Partei, Konrad Henlein, erstmals ein schriftliches Ersuchen an Hitler, die deutsche Bevölkerung in der Tschechoslowakei bei der Verfolgung ihres Ziels eines verstärkten Minderheitenschutzes zu unterstützen, nachdem mehrere Versuche, eine entsprechende Gesetzesvorlage in die Prager Nationalversammlung einzubringen, gescheitert waren. Am 20. Februar 1938 ging Hitler in einer Reichstagsrede auf das Problem der außerhalb des Reiches lebenden Deutschen ein, zu denen er Österreicher und Sudetendeutsche zählte, und sicherte ihnen Unterstützung bei der Durchsetzung ihres Selbstbestimmungsrechts zu. Zwei Wochen nach dem Anschluss Österreichs, am 28. März 1938, lud Hitler Henlein nach Berlin ein und riet ihm, der tschechoslowakischen Regierung bezüglich der Nationalitätenfrage unerfüllbare Forderungen zu unterbreiten.

„Wir müssen also immer so viel fordern, daß wir nicht zufriedengestellt werden können.“

Konrad Henlein

Außerdem erklärte Hitler am 30. Mai 1938 in einem geheimen Aufmarschplan: „Es ist mein unabänderlicher Entschluss, die Tschechoslowakei in absehbarer Zeit durch eine militärische Aktion zu zerschlagen.“ Am 21. April 1938 wies Hitler den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generaloberst Wilhelm Keitel, an, eine erste Studie für ein künftiges Vorgehen gegen die Tschechoslowakei zu erarbeiten. Der Beginn der Aktion blieb dabei offen, als Auslöser sollte ein geeigneter äußerer Anlass dienen.

Am 24. April stellte Henlein das Karlsbader Programm auf. Dieses beinhaltete acht Punkte, unter anderem Gleichberechtigung, Autonomie und Wiedergutmachung der seit 1918 erlittenen Benachteiligungen. Weitere Minderheiten in der Tschechoslowakei schlossen sich in den nächsten zwei Wochen den Forderungen Henleins, bezogen auf ihre Volksgruppe, an. Während Premierminister Milan Hodža bereit war, dem mit dem Entwurf einer neuen Verfassung entgegenzukommen, lehnte der Präsident der ČSR Edvard Beneš die Forderungen ab. Henlein reiste daraufhin nach Großbritannien, um dort öffentlich über die Lage der Sudetendeutschen aufzuklären.

Am 21. Mai wurde von der Tschechoslowakei, die zwischenzeitlich auch aufgerüstet hatte, eine teilweise Mobilmachung (vom Mai 1938) vorgenommen und zwei Reservejahrgänge einberufen – sudetendeutschen Behauptungen zufolge, um die vom 22. Mai bis 12. Juni stattfindenden Gemeindewahlen im deutschbesiedelten Gebiet „unter militärischen Druck zu setzen“, anderseits aber auch, um die Westmächte an ihre Seite zu zwingen. Seit dem „Anschluss“ Österreichs war die tschechoslowakische Militärführung von der Möglichkeit eines Zangenangriffs auf die langgestreckten Grenzen ihres Landes beunruhigt gewesen. Die frühere Zuversicht, einen Krieg in den sudetendeutschen Verteidigungsanlagen notfalls auch alleine gegen Deutschland durchhalten zu können, war folglich sehr geschwunden. Als offiziellen Grund gab man seitens der ČSR-Regierung an, Informationen über eine angebliche Verschiebung deutscher Truppen in Richtung Tschechoslowakei zu haben.

Hitler fühlte sich provoziert durch diese Mobilmachung, die von Großbritannien und Frankreich gebilligt wurde, sowie durch die Reaktion der Weltpresse. Er sah sich dazu veranlasst, seine ursprüngliche Absicht, vorerst nicht einzugreifen, zu revidieren. Am 28. Mai bekundete er bei einer Konferenz mit den außenpolitischen und militärischen Spitzen des Reiches in Berlin seinen Willen, die Tschechoslowakei „blitzschnell zu beseitigen“. In der neuen Fassung von „Fall Grün“ am 30. Mai wurde die Vorgehensweise detailliert dargestellt. Als Stichtag zum Abschluss der Vorbereitungen wurde der 1. Oktober 1938 angegeben.

Weitere Entwicklung

Am 1. Juni schlug Hermann Göring bei einer Unterredung mit dem ungarischen Botschafter Döme Sztójay vor, Ungarn solle ebenfalls Gebietsansprüche an die Tschechoslowakei stellen, und am 17. Juni verlangte er bei einem Treffen mit dem polnischen Botschafter Józef Lipski in Carinhall dasselbe von Polen.

Ende Juni wurden nahe der tschechoslowakischen Grenze Manöver abgehalten. Am 3. August trat Lord Walter Runciman seine inoffizielle Vermittlerrolle zwischen den Sudetendeutschen und der tschechoslowakischen Regierung an.

Am 3. September gab Hitler der Armee die Weisung, sich nach dem 27. des Monats für einen Angriff auf die Tschechoslowakei bereitzuhalten. Am 7. September schlug die Times in einem Leitartikel erstmals die Abtretung des Sudetenlandes vor. Am 10. September bezeichnete Göring bei einer Rede in Nürnberg mit Blick auf die Sudetenfrage den Zustand als unerträglich, dass ein Kulturvolk dauernd unterdrückt und belästigt werde.

Hitlers Rede auf dem Reichsparteitag

Mit Spannung wartete man nun auf die Rede Hitlers zum Abschluss des Reichsparteitages vom 12. September. In einer äußerst aggressiven Rede bezeichnete er die Ziele der Prager Regierung als verbrecherisch und verurteilte die leichtfertige Kriegsbereitschaft seiner Gegner. Er werde unter keinen Umständen gewillt sein, einer weiteren Unterdrückung der deutschen Volksgenossen in der Tschechoslowakei zuzusehen.

Auf diese Rede hin brach im Sudetengebiet ein Aufstand mit zahlreichen Opfern aus. Am 13. September erklärte der britische Premierminister Neville Chamberlain in einer Botschaft seine Bereitschaft, unverzüglich mit Hitler zusammenzutreffen.

Erstes Treffen Chamberlains mit Hitler

Am 15. September traf Chamberlain auf dem Berghof ein, wo er von Hitler kühl empfangen wurde. Hitler verlangte kurzerhand die Angliederung des Sudetenlandes an das Reich und berief sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Hinsichtlich des weiteren Bestandes der Tschechoslowakei verwies Hitler auf ungarische sowie polnische Gebietsforderungen.

Während in der deutschen Presse über tschechische Gräueltaten berichtet wurde, ließ Hitler von dem nach Deutschland geflohenen Henlein das Sudetendeutsche Freikorps aufstellen. Dieses besetzte die Städte Eger und Asch. Am 21. September übergab Runciman seinen Bericht zur Lage der Sudetendeutschen an Chamberlain. Ebenfalls am 21. September akzeptierte die Tschechoslowakei einen Plan Frankreichs und Englands, nach dem Gebiete mit über 50 Prozent deutscher Bevölkerung an Deutschland zu übergeben waren.

Zweites Treffen Chamberlains mit Hitler

Vom 22. bis 24. September verhandelte Chamberlain erneut mit Hitler im Rheinhotel Dreesen in Godesberg. Hier überbrachte er ihm die Zustimmung Englands, Frankreichs und der Tschechoslowakei zur Abtretung des Sudetenlandes. Eine internationale Garantie solle die Unabhängigkeit der Tschechoslowakei gewährleisten.

Hitler lehnte diese Lösung nach kurzem Bedenken ab, verwies auf die Forderungen der Ungarn und Polen sowie das Leiden der Sudetendeutschen und verlangte schließlich in einem Memorandum ultimativ eine Lösung bis zum 1. Oktober. Noch während der Abschlussgespräche traf die Nachricht von der allgemeinen tschechoslowakischen Mobilmachung vom 23. September 1938 ein.

Am 25. September lehnte das britische Kabinett die neuen Forderungen ab und sagte der französischen Regierung Unterstützung für den Fall einer kriegerischen Verwicklung mit Deutschland zu. Am 26. September ordnete Frankreich eine Teilmobilmachung an.

Hitlers Rede im Sportpalast

Chamberlain entsandte seinen Berater Horace Wilson nach Berlin, um einen Kriegsausbruch zu verhindern. Hitler erklärte, seine Divisionen nur dann zurückzuhalten, wenn das Godesberger Memorandum von der Prager Regierung bis zum 28. September, 14 Uhr, akzeptiert worden sei. In seiner Rede im Berliner Sportpalast am 26. September bezeichnete er die Forderung nach der Abtretung des Sudetenlandes an das Reich erstmals ausdrücklich als seine letzte territoriale Revisionsforderung. Joseph Goebbels kreierte an diesem Abend den Ruf „Führer befiehl, wir folgen!“, der bis lange nach Ende der Veranstaltung von den Teilnehmern skandiert wurde.

Dennoch erklärten sich am 27. September Jugoslawien, Rumänien und die USA warnend für die Gegenseite. Am Abend diktierte Hitler für Horace Wilson einen Brief an Chamberlain, der eine förmliche Garantie für die Existenz der Tschechoslowakei enthielt.

Die Münchner Konferenz

Hauptartikel: Münchner Abkommen

Schließlich appellierten Chamberlain und der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt an den faschistischen italienischen Diktator Benito Mussolini, Hitler zu überzeugen, die Mobilmachung zu verschieben und einer Konferenz zuzustimmen. Mussolini konnte am 28. September Hitler von der Notwendigkeit einer Konferenz überzeugen. Am darauffolgenden Tag wurde er von Hitler in Kufstein empfangen.

Am 29./30. September tagte in München – unter Abwesenheit der nicht geladenen Vertreter der Tschechoslowakei – eine Konferenz der Regierungschefs von Frankreich (Daladier), Großbritannien (Chamberlain), Italien (Mussolini) und Deutschland (Hitler). Am 30. September 1938 wurde das Münchner Abkommen abgeschlossen, womit die Vertreter der Entente und ihr Verbündeter im Ersten Weltkrieg (Frankreich, Großbritannien und Italien) ihre Zustimmung zum Anschluss des gesamten Sudetenlandes an das Deutsche Reich gaben. Die Beschlüsse des Münchner Abkommens wurden damit der ČSR diktiert und bedeuteten das Ende der Ersten Republik. Am 1.  Oktober besetzten deutsche Truppen das so genannte Sudetenland. Zwischen dem 2. und dem 11. Oktober 1938 besetzten polnische Truppen das Olsagebiet.

Folgen

Folgen für die internationale Politik

Infolge des Münchener Abkommens konnte der Ausbruch eines europäischen Krieges im Herbst 1938 noch verhindert werden. Frankreich sah sich militärisch nicht in der Lage und politisch nicht willens, seine Bündnisverpflichtungen mit der Tschechoslowakei zu erfüllen. Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens zogen aus den militärischen Drohungen Hitlers den Schluss, ihre Rüstungsanstrengungen umgehend zu verstärken. Des Weiteren sicherten sie sich in bilateralen Verträgen mit dem Deutschen Reich das Recht auf gegenseitige Konsultationen in Fragen der internationalen Sicherheit.

Eine weitere Folge war eine Revision der Politik der UdSSR. Die Sowjetunion – obwohl am System der kollektiven Sicherheit beteiligt – wurde von den Westmächten während der Sudetenkrise ignoriert, zeigte aber auch selbst wenig Engagement zur Verteidigung der Tschechoslowakei. Außenminister Litwinow kritisierte zwar bei einer Rede in Leningrad Ende Juni die Haltung der Westmächte, lehnte aber seitens der Sowjetregierung jede Verantwortung für den weiteren Lauf der Dinge ab. In der Folge änderte Stalin seine Politik, was ein Jahr später zum Hitler-Stalin-Pakt führte.

Offen blieb nach dem Münchener Abkommen zunächst die Frage der polnischen und ungarischen Gebietsansprüche an den tschechoslowakischen Staat. Polen konnte einen Teil seiner Ansprüche nach dem tschechoslowakischen Einlenken auf ein Ultimatum durch die Besetzung des Olsagebiets ab dem 2. Oktober durchsetzen. Im weiteren Verlauf erhob Polen mehrmals neue Forderungen an die Tschechoslowakei. Bezüglich Ungarn stimmten Großbritannien und Frankreich einem deutsch-italienischen Schiedsverfahren zu, das im Ersten Wiener Schiedsspruch vom 2. November 1938 mündete. In diesem wurden Ungarn Teile der südlichen Slowakei und Karpatenukraine mit überwiegend ungarischer Bevölkerung zugesprochen. Das Ziel der deutschen und ungarischen Führung blieb aber insgeheim weiterhin die Auflösung des tschechoslowakischen Staates.

Folgen für die Tschechoslowakei

In der Tschechoslowakei führte die Krise zum Rücktritt des Staatspräsidenten Beneš am 4. Oktober (er ging bald darauf ins Londoner Exil). Wenige Tage später erhielten die Slowakei und die Karpatenukraine den Autonomiestatus innerhalb der nunmehr umbenannten Tschecho-Slowakei. Der tschechoslowakische Reststaat löste sich im März 1939 nicht zuletzt aufgrund der militärischen Drohungen der Nachbarländer Deutschland, Ungarn und Polen auf. Die Slowakei erklärte sich am 14. März zur unabhängigen Republik unter deutschem Schutz. Einen Tag später wurde die vom NS-Regime so titulierte „Rest-Tschechei“ im Zuge der Annexion der Tschechei von Wehrmachttruppen besetzt und als Protektorat Böhmen und Mähren ins Reich völkerrechtswidrig eingegliedert.

Folgen im Deutschen Reich

Durch die Sudetenkrise und die ihr vorangegangenen Ereignisse wie Hitlers Bekanntgabe seiner auf kriegerische Expansion abzielenden Politik im November 1937 und die Neugliederung der Wehrmachtspitze infolge der Blomberg-Fritsch-Krise steigerte sich im Verlauf des Jahres 1938 die seit dem Machtantritt der Nationalsozialisten schwelende Spannung zwischen NSDAP und Teilen der Wehrmachtführung.

Militärische Kreise unter Führung des Generalstabschefs des Heeres Ludwig Beck (im August 1938 abgelöst durch Franz Halder) waren von der Aussichtslosigkeit eines Krieges gegen die Westmächte überzeugt und fanden sich in der Septemberverschwörung zusammen. Sie waren entschlossen, Hitler zu töten, wenn er den Befehl zum Angriff geben würde. Nach Bekanntwerden der Münchener Konferenz wurden die Putschpläne hinfällig: Hitler galt nun in den Augen der Bevölkerung als Friedensbewahrer, obwohl er in Wahrheit der Anberaumung einer Konferenz in München nur sehr widerwillig zugestimmt hatte. Die nationalkonservative und militärische Opposition hat sich von dieser für sie unglücklichen Wendung nie wirklich erholt.

Siehe auch: Widerstand innerhalb der Wehrmacht

Siehe auch

  • Geschichte der Tschechoslowakei

Quellensammlungen

  • Kurt Rabl: Neue Dokumente zur Sudetenkrisis 1938. In: Bohemia. Bd. 1, 1960, Nr. 1, S. 312–362, doi:10.18447/BoZ-1960-2819.
  • Václav Král (Hrsg.): Das Abkommen von München 1938. Tschechoslowakische diplomatische Dokumente 1937–1939. Prag 1968.
  • Fritz Peter Habel (Hrsg.): Dokumente zur Sudetenfrage. Unerledigte Geschichte. 5., völlig neubearbeitete und ergänzte Auflage, Langen Müller, München 2003, ISBN 3-7844-2691-3.

Literatur

  • Detlef Brandes: Die Sudetendeutschen im Krisenjahr 1938. Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-58742-5.
  • Andreas Krämer: Hitlers Kriegskurs, Appeasement und die „Maikrise“ 1938. Entscheidungsstunde im Vorfeld von „Münchener Abkommen“ und Zweitem Weltkrieg. Oldenbourg, München 2014, ISBN 978-3-11-036755-3 (zugleich Diss., Univ. Würzburg, 2014).
  • Jürgen Zarusky, Martin Zückert (Hrsg.): Das Münchener Abkommen von 1938 in europäischer Perspektive. Oldenbourg, München 2013, ISBN 978-3-486-70417-4.
  • Hermann Raschhofer, Otto Kimminich: Die Sudetenfrage. Ihre völkerrechtliche Entwicklung vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart. 2., ergänzte Auflage, Olzog, München 1988, ISBN 3-7892-8120-4. (Auftragswerk der Vertriebenenverbände. Raschhofer versuchte den Beweis zu erbringen, das Münchner Abkommen von 1938 sei noch völkerrechtlich gültig und die Sudetengebiete noch Teil Deutschlands.)
  • Felix Ermacora: Die sudetendeutschen Fragen. Rechtsgutachten. Langen Müller, München 1992, ISBN 3-7844-2412-0. (umstrittene Klassifizierung der Vertreibung als Völkermord)

Weblinks

Bild anzeigen Commons: Besetzung des Sudetenlandes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Alena Mípiková, Dieter Segert: Republik unter Druck: Vom souveränen Staat zum Protektorat der Bundeszentrale für politische Bildung, 6. November 2002
  • Hans-Ulrich Thamer: Sudetenkrise und Münchener Konferenz, Arbeitskreis Shoa.de e.V. (15. Oktober 2004)
  • Schlußbericht über die Lage der Sudetendeutschen (1938) von Lord Runciman of Doxford an Sir Neville Chamberlain über seine Mission in Prag (dt. Übersetzung)

Einzelnachweise

  1. Detlef Brandes: Sudetendeutsche, in: Stefan Aust, Stephan Burgdorff (Hrsg.): Die Flucht. Über die Vertreibung aus dem Osten. Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2005, ISBN 3-89331-533-0, S. 120.
  2. Zit. nach Helmuth G. Rönnefarth: Die Sudetenkrise in der internationalen Politik: Entstehung – Verlauf – Auswirkung. 2 Bde., Steiner, Wiesbaden 1961, Bd. 1, S. 219.
  3. Klaus Sator: Das „Münchener Abkommen“ von 1938 und die Zerschlagung der Tschechoslowakei. (Memento vom 2. Oktober 2013 im Internet Archive) In: Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, Aktueller Begriff Nr. 30/2013, 27. September 2013 (PDF; 67 kB).
  4. NS-Archiv: Dokumente zum Nationalsozialismus: „Studie Grün“ vom 22. April 1938.
  5. NS-Archiv: Dokumente zum Nationalsozialismus: „Weisung Grün“ vom 20. Mai 1938.
  6. NS-Archiv: Dokumente zum Nationalsozialismus: „Studie Grün“ vom 30. Mai 1938.
  7. Diese und die folgenden Ausführungen bis zur Münchner Konferenz basieren weitgehend auf Joachim C. Fest: Hitler. Zweiter Band: Der Führer (= Ullstein-Buch. Band 3274). Ullstein, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-548-03274-5.
  8. http://www.zwittau.de/verweise/runciman/runciman-bericht.htm
  9. Wir wollen gar keine Tschechen!, Hitlerrede vom 26. September 1938.
  10. Tobias Weger: „Volkstumskampf“ ohne Ende? Sudetendeutsche Organisationen, 1945–1955 (= Die Deutschen und das östliche Europa. Studien und Quellen. Band 2). Peter Lang, Frankfurt a.M. 2008, ISBN 978-3-631-57104-0, S. 98 f.

 


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